Karpaltunnelsyndrom

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Tennisarm durch Computermaus

Aus eigener Erfahrung weiß ich, welche große Behinderung das Karpaltunnelsyndrom sein kann. Denn tatsächlich war es einer der Gründe, warum ich auf Rolfing stieß, überzeugt wurde und dann meine Ausbildung 2005 begann.

Hier der Link auf eine gute Übersicht: Karpaltunnel-Syndrom auf Wikipedia

Für mich stand die Frage im Vordergrund, was sich in mir verändert hatte, um dann aus einem beschwerdefreien Zustand zu dem morgendlichen Aufwachen mit tauben Fingern und Problemen mit der Handhaltung beim Radfahren zu kommen. Dies waren vor allem zwei Tätigkeiten, die in dem Jahrzehnt vor dem Beginn meiner Beschwerden hinzugekommen waren:

  • Verwendung der Computermaus
  • intensiver Sport (Hap-Ki-Do)

Karpaltunnelsyndrom – mögliche Auslöser

Computermaus

Karpaltunnelsyndrom

Gleich mehrere Effekte sind hier wichtig:

  • Handhaltung
  • wenig Bewegung im Handgelenk
  • gleichförmige, immer wiederkehrende Bewegung der Finger
  • Verlagerung der Handbewegung auf die Schulter, die nicht für Feinmotorik ausgelegt ist

Sport

Viele Sportarten fördern die Verkürzung der Körpervorderseite und damit einhergehend die Reizung der Nerven zum Arm unterhalb des Schlüsselbeins (Plexus brachialis). Schauen Sie sich doch dafür interessehalber bei gut gebauten Sportlern um, wie gerade die Vorderseite des Oberkörpers ist, wie weit die Schultern nach vorne eingedreht sind und wie rund der obere Rücke ist, wie weit der Kopf nach vorne kommt bzw. wie stark die Spannung im vorderen Hals ist. Hier gibt es natürliche Gründe warum es diese Tendenz gibt.

  • In vielen Wettkampfsportarten, zeigen wir unserem Gegner die empfindlichste Körperseite, von der Kehle bis zu den Genitalien.
  • Wir stabilisieren unseren Oberkörper oft, indem wir den Bauch anspannen.
  • Wir alle träumen vom sportlichen 6-pack der Bauchmuskulatur.
  • Starke Bauchmuskulatur gilt als Garant für einen schmerzfreien Rücken.
  • Wenn wir gut werden wollen, bleiben wir bei einer Sportart und damit bei einem Bewegungsmuster

Sich wiederholende Bewegungen ohne Ausgleich

Meine Vorlieben hatten alle einen Einfluss auf die Bewegung und Haltung meiner Hände im Verhältnis zum Nacken und damit über die gesamte Länge der beteiligten Nerven. Dadurch hatte sich das Gewebe angepasst, um diesen Präferenzen zu entsprechen (sehr fest im Bereich der Membran zwischen Elle und Speiche – Membrana interossea antebrachii) der Grundtonus der Fingerbeuger hatte sich erhöht ebenso der kleine Brustmuskel (pectoralis minor).

Verheilter Knochenbruch im Unterarm

Bei Knochenbrüchen steht natürlich am Anfang die Heilung des eigentlichen Bruchs im Vordergrund. Oftmals belassen wir es jedoch dabei: nach der Knochenheilung kommt der Gips ab, etwas mobilisieren und das soll dann auch reichen. Zurück bleibt jedoch oft eine tief liegende Spannung einer Membran, die Elle und Speiche auf der gesamten Länge wie ein Tuch verbindet. Diese Membran soll eigentlich eine Spannung wie ein Trampolin haben. Durch Verletzungen wie z.B. ein Knochenbruch wird Membran bretthart. Diese brettharte Spannung verengt den Raum, durch den die Nerven in die Hand laufen, vor allem den mittleren Nerven (N. medianus) , der durch den Karpaltunnel läuft . Der eingeengte Medianus führt dann zum Karpaltunnelsyndrom.

Karpaltunnelsyndrom – Ansatz von Rolfing – Struktureller Integration

Strukturell

  • Reduzierung des Tonus
  • Mobilisierung der Nerven
  • Wiederherstellen der Gleitfähigkeit unterschiedlicher Muskelgruppen, damit dies unabhängig von einander agieren können

Funktional

Karpaltunnelsyndrom – Einbindung in die 10er Serie im Rolfing

Das Karpaltunnelsyndrom äußert sich zwar ganz konkrekt an einer Stelle im Körper, es ist jedoch die gesamte Körperhaltung, die sich um die Hand herum organisiert. Greifen Sie in Gedanken an den Henkel eines schweren Wassereimers, um diesen hochzuheben. Vordergründig steht die Greifbewegung, d.h. die Aktivierung der Muskeln die neben dem Nerven mit den Sehnen durch den Karpaltunnel laufen.  Doch davor steht die Stabilisierung der Schulter, die eine Spannung bis in den Hals und möglicherweise bis in den Kiefer aufbaut. Viele Menschen stabilisieren sich weiter um das Zwerchfell herum und halten dafür auch kurz die Luft an. Die Spannung läuft weiter in den Beckenboden und von dort entweder eher außen oder eher innen durch das Bein in den Fuß. Am Ende des Tages stemmen wir ja den Eimer gegen den Boden ab, so dass sich der ganze Körper zwischen Hand und Fuß stabil organisieren muss.