Hallux rigidus

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Hallux Rigidus – steifes Großzehengrundgelenk – meine eigene Erfahrung

Gesundes Großzehengrundgelenk
So beweglich sollte Ihr großer Zeh sein – das Gegenteil von einem Hallux rigidus!

2005 wurde mein Hallux rigidus (steifes Großzehengrundgelenk) so schlimm, dass ich auf orthopädische Schuhe mit gewölbter Sohle umstellte und Spaziergänge auf maximal 30 Minuten begrenzte. In meiner eigenen Rolfing-Ausbildung lernte ich, dass solche Entwicklungen keine Einbahnstraße sind. Heute, 10 Jahre später und konsequente Rolfing-Arbeit an meinem Fuß, trage ich ganz normale Schuhe und kann wieder Tages-Wanderungen durchführen.

Funktionales Problem

Für Menschen ohne Probleme mit dem großen Zeh, ist es meist wenig verständlich, dass darüber so ein Aufhebens gemacht wird. ABER sehr verkürzt: der Großzeh stößt uns beim Gehen vom Boden ab. Dabei spannt eine fasziale Linie/Ebene, die bis in den unteren Rücken reicht und organisiert damit das Beugen des Sprunggelenks sowie das Öffnen des Hüftgelenks. An keinem Glied in dieser Kette dürfen wir nachhaltig Einschränkungen haben! Wenn diese aufsteigenden Kräfte sich verschieben, dann führt dies auch zu einer Umorganisation der Statik des Oberkörpers hinzu, d.h. der Schwerpunkt des Oberkörpers verlagert sich.

Ein versteiftes Großzehengrundgelenk – hallux rigidus – führt zu einer Änderung des gesamten Gangbildes und zu einer Änderung der Haltung des Oberkörpers.

Auswirkungen auf das Knie – die Rolfing 10er Serie

Wiederherstellung des Körperbild

hallux rigidus - steifes Großzehengelenk

Die erste für mich erstaunliche Erfahrung war, dass mein schmerzhafter, großer Zeh kein Teil meines Körperbild mehr war. In der Regel kennen wir nur den umgekehrten Fall in Form von Phantomgliedern, d.h. das Körperbild ist größer als der physische Körper. In meinem Fall war es umgekehrt, mein Körper war größer als mein Körperbild und ich hatte keinen willentlichen Zugang mehr zu meinem großen Zeh. Ich hatte keine Vorstellung mehr davon, wie ich meinen Zeh bewegen könnte. In einem längeren Prozess habe ich dies wiedererlangt, auch wenn die möglichen Bewegungen aufgrund der Gelenksprobleme sehr klein sind.

Strukturelle Einbindung

Das Ausblenden des Großzehgelenks aus dem Körper hatte auch Spuren in der faszialen Organisation und Unabhängigkeit in den tiefen (kleinen) Muskeln des Fußes hinterlassen. Hier war klassische strukturelle Rolfingarbeit gefragt, bis hinaus in die Hüfte.

Erziehung

Ein defektes Gelenk bleibt eine Herausforderung für den Körper und ich habe durch kleine Übungen, die ich immer wieder praktizier, gelernt, wie mein Körperbild weiterhin aufrecht erhalten bleibt. Zudem musste ich ein anderen Umgang mit Schmerzen erlernen. Die ursprüngliche Reaktion war das Zusammenziehen aller stabilisierenden Muskeln. Dies führte jedoch nur zu einer größeren Kompression des Gelenks und damit letzten Endes zu größeren Schmerzen. Es galt zu lernen, wie dieser Kreislauf durchbrochen werden kann, und zwar schon bei den ersten Anzeichen von Anspannung im Gelenk.

Ausblick

Es gibt keine einzelne Technik oder Behandlungsart, die das Problem löst. Vielmehr gilt es eine Integration des schmerzhaften Gelenks in möglichst viele Aspekte des Menschen zu integrieren und damit letzten Endes auch den Schmerz zu lindern und ein vergrößertes Bewegungsspektrum wiederzuerlangen.

Veränderungen im Körper geschehen nicht auf einer Einbahnstraße. Die Umkehr kostet jedoch Energie und Überwindung, das Aufbauen von neuen Gewohnheiten benötigt Zeit und Geduld, Ziele müssen an neue Einflüsse angepasst werden. Diesen gesamten Prozess unterstützt und fördert Rolfing, d.h. alle oben aufgeführten Überschriften sind Teile der Rolfing Arbeit.