Haltung

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Haltung als Startpunkt

Haltung Rolfing - Faszien ein Organ für Haltung
Haltung

Eine Haltung einnehmen, ist wie die T-Linie beim Tennis, von hier aus startet alles.

Wenn beim Militär gebellt wird: „Nehmen Sie Haltung an!“, so ist das insofern unsinnig, als dass wir immer eine Haltung haben, und zwar die in der wir „zuhause“ sind. Die Frage dahinter ist, wie Energie zehrend unsere Körperhaltung ist, weil wir aufrechter, gestreckter, größer sein wollen als wir sind. Oder wie sehr wir in unserem Gewebe hängen und damit Schäden in Gelenken anrichten, die für diese Belastung nicht ausgelegt sind.

Zuviel Energie

Der linke Mann steht auf seinem Vorderfuß, gefühlt hat er etwas Luft unter seiner Ferse. Dadurch ist seine Wade permanent „an“, um nicht vollends nach vorne zu fallen. Von dort setzt sich diese Spannung über die rückwärtige Beinseite bis in den unteren Rücken fort, irgendwann wird ihm der Lendenwirbelbereich schmerzhaft auffallen. Seine Struktur ist wie ein Bogen, der über die Rückseite gespannt wird und sich nach vorne auswölbt. Seine Kinnposition lässt vermuten, dass er eigentlich immer in den Himmel schaut, was er hoffentlich nicht immer tut.

Die Kosten für den Ausgleich der Kopfhaltung wird eine hohe Spannung im Nacken sein. Sie können es selbst ausbrobieren: Verlagern Sie Ihr Gewicht auf den Vorderfuß, als ob sie gleich loslaufen wollten. Dann richten Sie sich über eine Rückenspannung soweit auf, dass ihr Kinn leicht nach oben zeigt und richten dennoch ihre Augen zu Boden. Und – wie fühlen Sie sich? Wenn Sie in dieser Haltung zuhause sind, wird  ihnen nichts auffallen, andernfalls rebelliert ihr gesamtes System wahrscheinlich.

Das Gewebe als Stütze

Der rechte Mann wird wahrscheinlich immer hören, er müsste mehr Sport treiben, um eine bessere Haltung zu bekommen. Bewegung ist immer eine gute Idee, doch welchen Startpunkt wählt dieser Mann? Sein Bauchansatz täuscht darüber hinweg, dass er auf der Vorderseite vom Knie bis zum Kinn unter Spannung steht. Um einen Schritt vorwärts zu tun, muss er recht aufwendig sein Gewicht nach vorne hiefen, daher läßt er es im Zweifel lieber sein. Fatal wäre es jetzt, wegen seines Bauchansatzes auch noch mit Situps zu trainieren. Denn er würde trotz Sport immer schwerfälliger. Er hängt in seinem Gewebe und in seinen Knien muss der ernome Zug nach hinten kompensiert werden, um nicht nach rückwärts zu fallen. Knieprobleme scheinen da vorprogrammiert, was weitere Bewegungsfreuden reduziert.

Wie die Rolfing 10er Serie bei dieser Statik wirkt ….

Wie frei wählen wir unsere Haltung?

Faszien Schutz

Der Körper hat eine klare Prioritätenreihenfolge, wie er sich schützt. Dadurch steht unser Bewegungssystem an letzter Stelle und gleicht alle höherwertigen Belastungen aus.

An erster Stelle stehen unsere Organe. Stellen Sie sich vor, Sie hätten eine Blinddarmentzündung gehabt. Medizinisch gesehen, ist alles gut gelaufen. Jedoch hat die Operation und die Entzündung Narben hinterlassen und eine gewisse Unbeweglichkeit des Gewebes im Bereich des Blinddarms. Deswegen werden sie unmerklich ihre rechte Hüfte etwas einschränken, auch im Sprunggelenk halten sie fester. Denn ihre Hüftbewegungen übertragen sich nun viel direkter auf ihren Blinddarm und Sie „opfern“ Beweglichkeit, um ihre Organe nicht zu reizen. D.h. wir gefährden möglichst nicht unseren Stoffwechsel, sondern ändern vielmehr das Bewegungsspiel der umliegenden Gelenke. Es ist wie beim Autofahren, zunächst kümmern wir uns um eine ausreichende Tankfüllung. Und wenn wir Probleme mit dem Benzin haben, wird die Wahl des Musiksenders zweitrangig. Ob Kaiserschnitt oder Brustfellentzündung, wenn wir die Freiheit unserer Organe beeinträchtigen, dann reduzieren wir ebenfalls unsere Bewegungsmöglichkeit.

Nerven stehen an zweiter Stelle. Auch hier gilt der Vergleich mit dem Autofahren. Wenn der Motor läuft (s.o.), wollen wir wissen wo wir gerade sind. Und über Lage und Bewegung informiert uns unser Nervensystem. Und sollte es hier Probleme geben schränken wir unsere Bewegungen ein, denn unser Körper schützt eine funktionierende Informationsübertragung. Wenn ein Nerv unter der Schulter nicht frei gleitet, dann werden wir diesen nicht reizen indem wir daran ziehen, d.h. wir heben den Arm nicht mehr, wir können u.U. den Arm sogar gar nicht mehr heben, weil wir eben diesen Nerven schützen.

Fazit

Haltung kommt nicht nur durch unsere aktive gewählte Orientierung zustande, sondern wird auch durch Beschränkungen von Organen und Nerven geformt.