Faszien im Rolfing

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Rolfer arbeiten mit Faszien – seit 50 Jahren

Faszienfitness, Faszienyoga, Faszienroller, Fasziengesundheit, … mit einmal sind sie alle da, wo Rolfer schon immer waren. Und alle beanspruchen, die Ersten, die Ursprünglichen, die Modernsten zu sein. Zunächst ist es vor allem aus Rolfing-Sicht gut, dass mit Faszien überhaupt gearbeitet wird und dass über diese Arbeit intensiver als zuvor geforscht wird. Denn davor fielen Faszien durch das Raster der Forschung und wurden auch in den anatomischen Atlanten immer weniger dargestellt. Das „Wahre“ waren die Organe, die Muskeln, Knochen, Sehnen und Bänder – Faszien waren lediglich der „Kleber“, der sie zusammenhielt oder den Blick auf das „Wesentliche“ behinderte.

Faszien – eine Forschung, die sich gerade entwickelt

Warum Rolfer mit Faszien arbeiten

Dr. Ida Rolf
Dr. Ida Rolf

Der Startpunkt war ganz profan. Dr. Ida Rolf, die Urahnin des Rolfing, suchte einen sicheren weil unbenutzten Hafen für ihre Arbeit. Denn sie hatte die harten Auseinandersetzungen zwischen der American Medical Association und amerikanischer Osteopathen in den 60er Jahren miterlebt und wollte nicht zwischen irgendwelche Frontn geraten. So bündelte sie ihre Erfahrungen aus Osteopathie, Chriopraktik und Yoga unter dem Dach der Faszienarbeit. Zudem erkannte Dr. Ida Rolf, dass die Statik eines Körpers nachhaltig über Bearbeitung der Faszienstrukturen verbessert werden kann.

Ihr nachfolgende Rolfer sind bei der Faszienarbeit geblieben, haben aber den rigorosen Stil von Dr. Ida Rolf abgemildert, da sich die Einsicht „hart ist nicht gleich effizient“ etablierte. Hier gibt es die Anekdote, dass Dr. Ida Rolf einen Schüler aus Europa mit „Try harder!“ angespornt habe und dieser das fälschlich mit „Arbeite härter!“ statt „Bemüh‘ dich mehr!“ übersetzt hat.

Was haben Faszien mit einem Wollknäuel zu tun?

Faszien wie Wolle

Unbenutzt und fabrikneu kommt das Wollknäul noch ganz ordentlich daher, doch wehe Nachbars Katze spielt damit. Die Erfahrung von Außen (die Katze) hat ganz unterschiedliche Einflüsse auf die Organisation des Wollknäuels. Unsere Faszien haben einen ähnlich unvorhersehbaren Lebensweg. Sie sind chaotisch organisiert, manchmal gibt es eine bevorzugte Richtung, manchmal auch nicht. Deswegen geht Rolfing auch grundsätzlich anders als Bindegewebsmassage vor. In welcher Tiefe sind „Fasern“ zu fest, in welcher Richtung laufen diese? Die trainierte Hand des Rolfers kann das spüren und in unterschiedlichen Tiefen unterschiedlichen Spannungsrichtungen folgen und diese auflösen.

Faszien – Organ der Haltung

Warum ist unsere Haltung ein Spiegel für unser Fasziensystem? Faszien umhüllen nicht nur alle Muskeln, Organe und Nerven, sie unterteilen diese auch immer feiner in funktionale Strukturen. Damit bilden diese Faszienstrukturen ein derart feimaschiges Netz, wie wir es sonst nur noch vom Nervensystem und unserer Blutversorgung her kennen. D.h. Faszien bestimmen nicht nur unsere Organisation im großen, z.B. einzelne Muskeln gegeneinander. Vielmehr ist das selbe System, dieses Fasziennetz für eine immer feinere Unterteilung von Muskeln bis zu einzelnen Muskelfasern verantwortlich. Damit „leben“ Muskelfasen sowie die sie versogenden Blutgefäße und Nerven in einem Bett aus Faszien.

Die Gesundheit dieses Fasziensystems, die „richtige“ Spannung innerhalb dieses 3-dimensionalen Faszien-Netz bestimmt die Haltung unseres Körpers. Deswegen bezeichnete Dr. Ida Rolf dieses Fasziensystem als „Organ der Haltung“.

Faszien im Rolfing

Rolfing verändert die Spannungen in diesem feinmaschigen Fasziensystem und kann darüber Haltung und Bewegungsmuster verändern, die oft wiederum mit Schmerzen in Zusammenhang stehen. Somit kann Rolfing einen positiven Einfluss auf folgenden Ablauf haben:

  • Haltung
  • Verspannung
  • Bewegungseinschränkung
  • Schmerzen

Damit ist offensichtlich, dass dies ein System aus komplexen Wechselwirkungen ist. Schmerzen werden ihrerseits natürlich unsere Haltung, Verspannungen und Bewegungsmuster verändern.