Wohlbefinden und Haltung – ein Wechselspiel

Faszientherapie Rolfing Wohlempfinden

Wohlbefinden ist das ultimative Ziel im Rolfing. Es ist die Kunst im eigenen Körper Zuhause zu sein. Ja, wir wollen schmerzfrei sein. Ja, wir wollen uns auch stressfrei bewegen können. Am Ende des Tages wollen wir uns aber wohlfühlen in unserer Haut. Sie kennen die kurze Antwort auf die Frage: „Wie geht’s?“ – „Gut“ Und meist meinen wir damit nur „nicht schlecht“. D.h. es tut nichts weh. Besser wäre, wir erreichen wirklich „gut“. Wohlbefinden ist dafür die Basis. Wohl auch deswegen hat Ida Rolf „Wohlempfinden“ (engl. well-being) in den Titel ihres einzigen Buchs verewigt.

Was muss ich nun für Wohlbefinden tun? Was macht Rolfing hierfür? Hier in Kurzform das Rolfing-Rezept für Wohlbefinden:

  1. Wartung, d.h. für künftige Belastungen gerüstet zu sein
  2. Wiederfinden, d.h.verloren gegangene Bewegungsmuster reaktivieren
  3. Aussortieren, d.h. Kompensationen für den Umgang mit Verletzung überprüfen
  4. Lernen, d.h. mit Genuss die Differenzierung des eigenen Körpers wiederentdecken

Wohlbefinden und Haltung

Und was hat jetzt Haltung jetzt damit zu tun? Vielleicht ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass wir Menschen durchaus aus dem Augenwinkel erkennen. D.h. wir brauchen keine Details. Uns reicht zum Erkennen die Haltung. Wir erkennen, das ist Karl, seine etwas gebückte Haltung, seine Zögerlichkeit beim Gehen. Dies alles macht Karl unverwechselbar. Kurzum seine Haltung. Und in unserer Haltung steckt nicht nur unsere Vergangenheit, die uns in diese Haltung gebracht hat. Sie zeigt auch welche Möglichkeiten wir für Ausdruck und Bewegung haben. Alles in allem – Haltung ist ein Bild für unser Wohlempfinden.

Wohlempfinden und Wellness sind nicht das gleich

Wellness ist wie der Genuss eines Cocktails im Liegestuhl am sonnigen Strand. Wohlbefinden ist wie die belebende Zufriedenheit aus einer Wanderung um einen See und anschließender heißer Dusche.

Faszientherapie Rolfing Wohlbefinden Startposition

Rolfing Faszientherapie Wohlempfinden – eine Startposition

Für mich ist Wohlbefinden wie eine gute Startposition beim Tennis. Aufgewärmt, bereit mich zu bewegen. Die eigene Position ist nicht zu nah am Netz (d.h. Stress) und nicht außerhalb (d.h. ich spiele eigentlich nicht mit). Meine Reichweite, mein Potenzial kann ich so voll ausschöpfen. Und ich stelle mich auch auf Beschränkungen ein, z.B. meine eigene Größe. Dinge, die ich nicht mehr ändern kann. Oder um es mit Ida Rolf zu sagen, ich lebe mein wahres Potenzial.

Wartung – Wohlempfinden danach

Im Englischen wird der Begriff „maintenance“ verwendet, der neben der Instandhaltung auch Pflege, Aufrechterhaltung und Überholung meint. All dies sollte Rolfing sein. Nehmen Sie die Inspektion ihres „geliebten“ Autos. Sie geben wahrscheinlich viel Geld dafür aus und fragen kaum, warum. Denn die Notwendigkeit und die Vorteile liegen ja auf der Hand:

  1. Das Auto geht nicht so leicht/schnell kaputt. Übertragen auf uns selbst heißt dies, wir beugen Unfällen und Krankheiten vor. Ja, selbst Unfällen und Verletzungen. Denn ob und wie wir uns verletzen, hängt in hohem Maße von unserer Belastungsfähigkeit und unserem Bewegungsrepertoire ab.
  2. Das Auto fährt sich „irgendwie“ besser. Klar, alles ist geölt und geschmiert. Entsprechendes können Sie Ihrem Körper angedeihen lassen und für ein geschmeidiges, differenziertes Gleiten der unabhängigen Gleitebenen in Ihrem Körper sorgen. Sie bewegen sich dann auch „irgendwie“ besser.
  3. Das Auto bleibt länger wertvoll. Wir wissen, dass sich ein „Scheckheft-“ gepflegtes Auto einfach besser und teurer verkaufen lässt, weil es länger gut hält. Und für unseren Körper hieße das, dass wir besser und länger leben.

Bedenken Sie, dies ist Ihr Körper. Sie werden keinen anderen bekommen. Gute Wartung wird er Ihnen danken.

Wiederfinden – Erhalten Sie Ihre Bewegungsvielfalt

Unser Körper kennt zwei Arten von Bewegungen. Das eine sind zum einen die großen, gut sichtbaren Bewegungen. Die Bewegungen, an denen wir auch unserer Beweglichkeit messen, zum Beipsiel ob und wie wir mit den Fingerspitzen zum Boden reichen können. Zum anderen sind das die kleinen, vorbereitenden und stabilisierenden Bewegungen, die unsere großen Bewegungen begleiten und ermöglichen.

Faszientherapie Rolfing Bewegung premovement

Es wird erzählt, dass es die Zeichner in den Disney Studios waren, die zu Beginn des Zeichentrickfilms die folgende Entdeckung machten: Für eine flüssige Bewegung ist nicht die Anzahl der Bilder oder die Genauigkeit der Bewegung ausschlaggebend. Es sind vielmehr die vielen kleinen Initial-Bewegungen, die die großen, zielgerichteten Bewegung begleiten. Erst durch das Zeichnen dieser fast unsichtbaren Vorbereitungen und Kompensationen des Körpers entsteht ein harmonischer Fluss in der Körperbewegung.

Durch Verletzungen, Erfahrungen und auch das schlichte, natürliche Altern reduzieren wir unsere Bewegungsvielfalt an Bewegungsmustern. Unser Gehirn setzt eine große Bewegung aus vielen kleinen einzelnen Schritte zusammen. Dabei bedient es sich für die Durchführung einer bereitstehenden Sammlung an „Einzelprogrammen“. Diese Sammlung an genutzten Bewegungsdetails droht im Leben kleiner zu werden. Und es gilt, die Sammlung wieder zu vergrößern und „verlegte“ Bewegungsmuster zu reaktivieren.

Die meisten Menschen lieben Bilder in Zeitlupe: Wenn eine Hürdenläuferin ihre Kraft vorbereitet und über Hindernisse gleitet oder in einem Actionfilm der Held sich um ein Geschoss windet. Wir fühlen gleichsam die Klarheit der Bewegung. Deswegen macht es auch Spaß, in sich selbst Bewegungsdetails wiederzufinden und damit das eigene Wohlergehen zu verbessern.

Aussortieren – sich von Schutz trennen

Wir alle erleben Verletzungen. Während der Zeit der Heilung versuchen wir, uns so schonend wie möglich um die Verletzung herumzubewegen. Unser Körper findet dabei die für ihn schlauste möglich Lösung. Über die Zeit werden diese Bewegungskompensationen zur Gewohnheit. Und so heben wir dann immer erst die Schulter, wenn wir den Arm heben. Und wir halten immer die Luft an, wenn wir die Treppe hinaufgehen und, und, und …

Ein typischer Teil im Rolfing besteht darin, diese „schlechten“ Gewohnheiten zu erkennen und wieder zu beseitigen. D.h., Sie liegen z.B. auf dem Rücken und lassen Ihren Arm, der neben Ihnen am Körper liegt, leicht nach außen gleiten. Dabei soll nicht als Erstes der Trapezius – ein Rückenmuskel im Schulterbereich – arbeiten, sondern einer Ihrer Schultermuskeln. Hier gilt es, das Körpergefühl wiederzufinden, wie ein Arm ohne sofortiges Heben der Schulter bewegt werden kann.

Lernen und Genuss

Veränderungen und Neues bedeutet auch immer dazuzulernen. Klarheit zu finden sollte mit Genuss verbunden sein, ebenso die Auflösung von Spannungen und Verspannungen. Auch das Auffinden von neuen Körpermustern sollte mit Genuss verbunden sein.

Da war meine Schulter noch nie. Damit kann ich viel freier atmen.

Zitat eines Klienten nach der Arbeit an den oberen Rippen

Die Haut ist unser größtes Sinnesorgan, doch es ist uns meistens nicht bewusst. Deswegen vernachlässigen wir es wohl auch so oft. Denn um unsere anderen Sinne, unsere Fernsinne kümmern wir uns durchaus. Für Sehen und Hören gönnen wir uns Filme, Videos und Musik. Beim Schmecken hilft uns unsere Kochbibliothek, unser tägliches Essen zu verfeinern. Und das Riechen kommt durch den Kontakt wunderbarer Parfüms auf seine Kosten.

Wir tun was für unseren Geschmack
Wir tun was für unser Hören
Wir genießen selten unseren Körper

Klarheit in der eigenen Körperwahrnehmung

Leider ist der Genuss durch Berührung in den Intimbereich verbannt worden. Dabei gibt es auch außerhalb dessen einen klaren Bezug von Berührung und Genuss! Eine gute Berührung klärt uns über Bezüge in unserem Körper auf und dies empfinden wir meist als wohlig genussvoll! Wenn Sie z.B. eine hohe Grundspannung der Bauchmuskulatur besitzen, dann können Sie solch einen Bezug aus dem „sixpack“ Ihrer Bauchmuskulatur bis zu Ihrem Kehlkopf spüren. Die Kunst besteht darin, über die Berührung einen so feinen Zugang zur Bauchmuskulatur zu bekommen, dass der Zug sich sanft unter dem Brustbein in den Hals bis zur Höhe des Kehlkopfes ausbreitet. Dabei erfahren Sie im ersten Schritt, wie beengend die Spannung der vorderen Leibeswand ist. So als ob Sie ein enges T-Shirt zu stramm in die Hose gesteckt hätten. Und es ist dann tatsächlich ein Genuss zu erleben, wie diese Spannung nachlässt!

Mir waren die verschiedene Ebenen in meinem Körper gar nicht bewusst


Zitat eines Klienten auf die Frage, warum sich der eigene Körper jetzt gut und wohlig anfühlt

Zusammenfassung

Was sind die Voraussetzungen für Wohlempfinden im eigenen Körper

  1. Eine Haltung, die so wenige Einschränkungen wie möglich hat

  2. Erhalten eines großen Bewegungsrepertoire

  3. Aussortieren von Schutzhaltungen

  4. Klarheit in der eigenen Körperwahrnehmung